Version: 2.0 Datum: 2026-01-18 Status: Kanonisch
Dieses Dokument definiert die Entscheidungskarte von Probatio Systemica – ein systematisches Verfahren zur Entscheidungsfindung basierend auf dem SEC-Prinzip.
Die Entscheidungskarte ist:
- Ein neutrales Werkzeug (W2 aus dem Werkzeugkasten)
- Mathematisch fundiert (basiert auf SEC-Logik)
- Kontextunabhängig (für beliebige Anwendungen nutzbar)
Die Entscheidungskarte ist NICHT:
- Ein normatives Programm (sagt nicht WAS entschieden werden soll)
- Spezifisch für eine Anwendung
- Ein Ersatz für menschliches Urteilsvermögen
Anwendung siehe: PROVOLUTION (Band 4-5)
Cross-Referenz: Band 1 (SEC-Kanon), MASTERDOKUMENT v2.0
Komplexe Systeme erfordern kontinuierliche Entscheidungen:
- Welche Maßnahme soll implementiert werden?
- Soll eine laufende Maßnahme fortgeführt werden?
- Wann soll eine Maßnahme abgebrochen werden?
Herausforderung: Ohne systematisches Verfahren werden Entscheidungen:
- Inkonsistent (mal so, mal so)
- Subjektiv (nach Bauchgefühl)
- Nicht nachvollziehbar (warum wurde so entschieden?)
Die Entscheidungskarte bietet:
- Systematik: Klare Kriterien für jede Entscheidung
- Objektivität: Basierend auf SEC-Verifikation
- Nachvollziehbarkeit: Jede Entscheidung ist dokumentiert
Kernprinzip:
Entscheidungen werden ausschließlich auf Basis bestandener SEC-Tests getroffen.
Die Entscheidungskarte verwendet eine 3-Zustands-Logik:
Maßnahme darf implementiert werden.
Bedingung:
Probatio(M) = TRUE
Das bedeutet:
- Sufficient(M) = TRUE (Wirkung ausreichend)
- Efficient(M) = TRUE (Ressourcen-optimal)
- Consistent(M) = TRUE (keine Widersprüche)
Laufende Maßnahme darf weiterlaufen.
Bedingung:
W(M)_gemessen ≥ W_min ∧ Consistent(M) = TRUE
Das bedeutet:
- Maßnahme erreicht weiterhin Mindestwirkung
- Maßnahme erzeugt keine neuen Widersprüche
- (Efficiency kann sich verändern, ist aber nicht Abbruchkriterium)
Maßnahme muss gestoppt werden.
Bedingungen (mindestens eine erfüllt):
W(M)_gemessen < W_min (Wirkung unzureichend)
ODER
Consistent(M) = FALSE (Widersprüche entstanden)
ODER
R(M) > R_max (Ressourcen-Grenze überschritten)
INPUT: Vorgeschlagene Maßnahme M
PROZESS:
- Probatio(M) durchführen
- Ergebnis auswerten
OUTPUT:
| Probatio(M) | Entscheidung | Aktion |
|---|---|---|
| TRUE ✅ | ZULÄSSIG | M implementieren |
| FALSE ⛔ | NICHT ZULÄSSIG | M verwerfen oder modifizieren |
Hinweis: Bei FALSE analysieren, welcher SEC-Test fehlgeschlagen ist:
- Insufficient → M verstärken oder Ziel reduzieren
- Inefficient → M optimieren
- Inconsistent → M umgestalten oder andere Maßnahmen anpassen
INPUT: Laufende Maßnahme M mit gemessener Wirkung W(M)_gemessen
PROZESS:
- W(M)_gemessen ≥ W_min?
- Consistent(M) = TRUE?
- R(M) ≤ R_max?
OUTPUT:
| W ≥ W_min | Consistent | R ≤ R_max | Entscheidung | Aktion |
|---|---|---|---|---|
| ✅ | ✅ | ✅ | FORTFÜHRBAR | M weiterlaufen lassen |
| ❌ | - | - | ABBRECHEN | M stoppen (Wirkung zu gering) |
| ✅ | ❌ | - | ABBRECHEN | M stoppen (Widersprüche) |
| ✅ | ✅ | ❌ | ABBRECHEN | M stoppen (Ressourcen-Limit) |
INPUT: Laufende Maßnahme M, die FORTFÜHRBAR ist, aber suboptimal
PROZESS:
- Ist M noch optimal bezüglich Efficiency?
- Gibt es bessere Alternative M'?
OUTPUT:
| Efficiency optimal | Bessere Alternative M' existiert | Entscheidung | Aktion |
|---|---|---|---|
| ✅ | ❌ | BEIBEHALTEN | M unverändert lassen |
| ❌ | ✅ mit Probatio(M')=TRUE | ERSETZEN | M durch M' ersetzen |
| ❌ | ❌ oder Probatio(M')=FALSE | OPTIMIEREN | M verbessern, nicht ersetzen |
Problem: Mehrere Maßnahmen sind ZULÄSSIG (Probatio = TRUE), aber Ressourcen sind begrenzt. Welche zuerst?
Lösung: SEC-Score
Jede Maßnahme M erhält einen Score:
SEC-Score(M) = α·S(M) + β·E(M) + γ·C(M)
Wo:
- S(M) = Sufficiency-Grad (W(M) / W_min, normiert 0-1)
- E(M) = Efficiency-Grad (1 - R(M)/R_max, normiert 0-1)
- C(M) = Consistency-Grad (1 wenn konsistent, 0 sonst)
- α, β, γ = Gewichtungsfaktoren (α + β + γ = 1)
Standard-Gewichtung (neutral): α = β = γ = 1/3 (alle gleichwertig)
Priorisierung: Sortiere Maßnahmen nach SEC-Score absteigend. Implementiere zuerst die mit höchstem Score.
Im Framework (Probatio Systemica): Standardgewichtung α = β = γ = 1/3
In Anwendungen (z.B. Provolution): Gewichtung kann angepasst werden:
- Klima-Dringlichkeit → α erhöhen (Sufficiency wichtiger)
- Ressourcen-Knappheit → β erhöhen (Efficiency wichtiger)
- Systemstabilität → γ erhöhen (Consistency wichtiger)
Beispiel: In Provolution könnte gelten: α = 0.5, β = 0.3, γ = 0.2 (Wirkung wichtiger als Effizienz, da Zeit drängt)
Problem: Wirkung W(M) und Ressourcen R(M) sind oft nur Schätzungen, keine Sicherheiten.
Lösung: Konfidenzintervalle
Statt Punktschätzung:
W(M) = 100 kg CO₂
Verwende Intervall:
W(M) = [80, 120] kg CO₂ (95% Konfidenz)
Entscheidungsregel:
W(M)_worst_case ≥ W_min (pessimistischer Fall muss ausreichen)
Das bedeutet:
- Bei W(M) = [80, 120] und W_min = 100 → NICHT ausreichend
- Bei W(M) = [100, 140] und W_min = 100 → ausreichend
Niedrig-Risiko:
- W(M) gut bekannt (kleine Konfidenzintervalle)
- R(M) gut kontrollierbar
- Consistent sicher
Mittel-Risiko:
- W(M) mit Unsicherheit (größere Intervalle)
- R(M) variabel
- Consistency geprüft, aber Nebenwirkungen möglich
Hoch-Risiko:
- W(M) sehr unsicher
- R(M) schwer vorhersagbar
- Consistency fraglich
Entscheidungsregel: Bei Hoch-Risiko: Erst Pilotprojekt (klein, reversibel), dann skalieren.
Problem: Verschiedene Maßnahmen-Kombinationen führen zu verschiedenen Zukunftsszenarien. Welches ist optimal?
Lösung: Szenario-Analyse
Schritt 1: Szenarien definieren
- Szenario A: Maßnahmen M1, M2, M3
- Szenario B: Maßnahmen M4, M5
- Szenario C: Maßnahmen M1, M5, M6
Schritt 2: Bewerten Für jedes Szenario:
W_total = Σ W(M_i) (Gesamtwirkung)
R_total = Σ R(M_i) (Gesamtressourcen)
Consistent = alle M_i konsistent untereinander?
Schritt 3: Vergleichen
| Szenario | W_total | R_total | Consistent | SEC-Score |
|---|---|---|---|---|
| A | 500 | 100 | ✅ | 0.85 |
| B | 400 | 60 | ✅ | 0.78 |
| C | 450 | 90 | ❌ | 0.00 |
Entscheidung: Wähle Szenario mit höchstem SEC-Score (hier: A).
Szenarien-Vergleich zeigt Trade-offs:
- Szenario A: Mehr Wirkung, mehr Ressourcen
- Szenario B: Weniger Wirkung, weniger Ressourcen
Entscheidung hängt ab von:
- Ist W_min erreicht? (dann B möglich)
- Sind Ressourcen begrenzt? (dann B bevorzugen)
- Ist Dringlichkeit hoch? (dann A bevorzugen)
Wichtig: Entscheidungskarte gibt Struktur, nicht die Antwort. Kontext bestimmt Gewichtung.
Vorschlag: M = "CO₂-Speicherung durch Baumpflanzung"
Probatio-Test:
- W_min = 100 kg CO₂/Jahr
- W(M)_geschätzt = 150 kg CO₂/Jahr → Sufficient ✅
- R(M) = 50 EUR, minimal unter Alternativen → Efficient ✅
- Keine Konflikte mit anderen Maßnahmen → Consistent ✅
Entscheidung: ZULÄSSIG ✅ → M implementieren
Maßnahme: M = "Windkraftwerk betreiben"
Messung nach 1 Jahr:
- W(M)_gemessen = 80 kg CO₂-Einsparung/Jahr
- W_min = 100 kg CO₂-Einsparung/Jahr
- W(M) < W_min ❌
Entscheidung: ABBRECHEN ⛔ (Oder: Maßnahme verstärken, z.B. zweites Windrad hinzufügen)
Drei Maßnahmen, alle ZULÄSSIG:
- M1: W=200, R=100, SEC-Score=0.75
- M2: W=150, R=50, SEC-Score=0.85
- M3: W=180, R=80, SEC-Score=0.80
Reihenfolge (nach SEC-Score):
- M2 (0.85) ← zuerst
- M3 (0.80)
- M1 (0.75)
Vor Implementation (neue Maßnahme):
- W_min definiert?
- W(M) geschätzt?
- Sufficiency-Test bestanden? (W ≥ W_min)
- R(M) bekannt?
- Efficiency-Test bestanden? (R minimal)
- Konsistenz geprüft? (keine Konflikte)
- Probatio(M) = TRUE?
Bei laufender Maßnahme (Fortführung):
- W(M)_gemessen bekannt?
- W(M) ≥ W_min? (noch ausreichend)
- Consistency noch gegeben? (keine neuen Konflikte)
- R(M) ≤ R_max? (Ressourcen-Limit nicht überschritten)
Siehe: Provolution-Checkliste (Band 5) für anwendungsspezifische Version.
Die Entscheidungskarte kann in Software implementiert werden:
Eingaben:
- Maßnahmen-Datenbank (M, W(M), R(M))
- SEC-Kriterien (W_min, R_max)
- Konsistenz-Regeln
Prozess:
- Automatischer Probatio-Test
- SEC-Score-Berechnung
- Priorisierung
Ausgabe:
- Liste zulässiger Maßnahmen (sortiert nach Score)
- Abbruch-Empfehlungen für laufende Maßnahmen
- Szenarien-Vergleich
Vorteil:
- Schnell
- Konsistent
- Skalierbar (viele Maßnahmen parallel)
Keine Zielvorgabe: Die Karte sagt nicht, WAS erreicht werden soll (W_min). Das kommt aus dem Anwendungskontext (z.B. Provolution).
Keine Wertentscheidung: Die Karte sagt nicht, WELCHE Ziele wichtiger sind. Das ist eine normative Entscheidung (außerhalb des Frameworks).
Keine Garantie: Die Karte kann nur bewerten, ob Maßnahmen theoretisch funktionieren. Praktische Umsetzung kann scheitern (Implementierungsfehler).
Die Entscheidungskarte funktioniert nur, wenn:
- W(M) messbar ist (Wirkung quantifizierbar)
- R(M) bekannt ist (Ressourcen klar)
- Konsistenz prüfbar ist (Wechselwirkungen verstanden)
Fehlen diese: Karte liefert keine verlässlichen Ergebnisse.
CANON-Module:
- Band 1 (SEC-Kanon) – SEC-Prinzip im Detail
- Band 3 (Scientific Core) – Mathematische Grundlagen
MASTERDOKUMENT:
- MASTERDOKUMENT_v2.0.md – Teil II, Abschnitt 2.3 (Werkzeugkasten)
Anwendung:
- Band 5 (Provolution Steuerung & Score) – Anwendung der Entscheidungskarte
- provolution_checkliste_anwendung_band_5_sec.md – Praktische Checkliste
Terminologie:
- TERMINOLOGY_CHANGELOG.md – Framework vs. Anwendung
- GLOSSARY.md – Definitionen
v2.0 (2026-01-18):
- Umbenennung: "Provolution" → "Probatio Systemica" (Framework-Ebene)
- Vollständige Ausarbeitung (statt Platzhalter)
- 3-Zustands-Logik (Zulässig, Fortführbar, Abzubrechen)
- SEC-Score-System für Priorisierung
- Risikoabschätzung integriert
- Szenarien-Vergleich
- Fallbeispiele (neutral)
- Cross-Referenzen
v1.0 (ursprünglich):
- Platzhalter-Dokument
Die Entscheidungskarte ist ein systematisches Werkzeug zur Entscheidungsfindung auf Basis des SEC-Prinzips.
Sie bietet:
- Klarheit: Jede Entscheidung hat klare Kriterien
- Objektivität: Basierend auf Probatio-Verifikation
- Nachvollziehbarkeit: Jede Entscheidung ist dokumentiert
Sie ersetzt NICHT:
- Menschliches Urteilsvermögen
- Normative Zielvorgaben
- Praktische Implementation
Die Entscheidungskarte ist neutral. Sie sagt WIE entschieden wird, nicht WAS.
Das WAS kommt aus der Anwendung (z.B. Provolution).
Auf zum nächsten Band.
Die SEC-J-Prüflogik ist nicht auf Maßnahmen beschränkt. Als Submodul Probatio Veritatis (PV) wird dasselbe Framework auf die Verifikation faktischer Behauptungen angewendet. PV übernimmt die vier Dimensionen S, E, C, J sowie den Veto-Mechanismus unverändert; es adaptiert lediglich die Eingabeoperationalisierung (Claim-Taxonomie CL-1 bis CL-4) und die Quellenlogik (empirisch statt normativ).
Kernunterschied: PS-U bewertet Maßnahmen. PV bewertet Behauptungen über die Welt.
Gewichtungsformel: PV(c) = (0,30 × S) + (0,20 × E) + (0,35 × C) + (0,15 × J)
C erhält das höchste Gewicht (0,35), da Widerspruchsfreiheit mit gesichertem Wissen die härteste Bedingung faktischer Haltbarkeit ist.
→ Vollständige Spezifikation: 06_CANON/07_Probatio_Veritatis_v1.0.md
Version: 2.0 Status: Kanonisch Datum: 2026-01-18
Ende von Band 2 – Entscheidungskarte
(Quelle: Konsolidiert aus MASTERDOKUMENT v2.0, Band 1 SEC-Kanon)
Probatio Institutionalis (PI) überträgt die SEC-J-Logik auf Institutionen. PI beantwortet nicht ob eine Maßnahme wirksam oder eine Behauptung wahr ist, sondern: Tut diese Institution was sie sagt?
Kernwerkzeug: Gap-Analyse zwischen erklärtem Anspruch (S) und nachweisbarem Output (C).
Gewichtungsformel: PI(i) = (0,25 × S) + (0,20 × E) + (0,25 × C) + (0,30 × J)
J erhält das höchste Gewicht der PS-Familie (0,30), da institutionelle Macht strukturell Ungleichheit produziert. Keine Abbruchlogik – alle Dimensionen werden immer bewertet.
Flags: C < 0,40 → STRUKTURELLES UMSETZUNGSDEFIZIT · J < 0,40 → STRUKTURELLE UNGERECHTIGKEIT
Verdict-Sprache: INTEGER / BEDINGT INTEGER / DEFIZITÄR / NICHT INTEGER
→ Vollständige Spezifikation: 06_CANON/12_Probatio_Institutionalis_v1.0.md